Geschichtliches aus Kollerschlag Kleine Geschichte eines Grenzortes
Durch das Gemeindegebiet führte bereits im frühen Mittelalter ein Handelsweg von der Donau nach Böhmen, der sogenannte Schöffweg. Ein Wegstück im oberen Ort heißt heute noch so, und auch andere Flurnamen erinnern daran, wie Schöffgattern, Schöffwiesen, Schöffholz und Schiffl. An der Kreuzung des Schöffweges mit dem Wegscheider Weg ließ ein Untertan des Passauer Bischofs mit Burg im Rannatal, roden. Als "Kalhochslage", was soviel heißt wie Rodung (= Schlag) des Kalhoch von Falkenstein, fand der Ort dann 1220 auch seine erste Erwähnung. Es war wahrscheinlich derselbe Ritter, der 1218 schon das Stift Schlägl gegründet hatte. Mit einem eindrucksvollen Fest gedachte die Gemeinde 1997 der Gründung vor 777 Jahren. Genau so viele Kollerschlager wollte man auf ein Gruppenfoto bringen und damit ins Buch der Rekorde kommen, schließlich kamen sogar 859 und einer Eintragung stand nichts mehr im Wege.
Gerade in der jüngeren Vergangenheit war Kollerschlag mehrmals von wichtigen geschichtlichen Ereignissen berührt. 1934 war der Ort ein Nebenschauplatz des gescheiterten Juliputsches der Nationalsozialisten, in dessen Verlauf in Wien Bundeskanzler Dr. Dollfuß ermordet wurde. Von Wegscheid aus verübten illegale Nazis (Österreichische Legion) zwischen 25. und 27. Juli nächtliche Überfälle auf die Zollhäuser Hanging, Haselbach, Kriegwald und auf den Gendarmerieposten Kollerschlag, bei denen ein Gendarm und vier Legionäre getötet wurden. Im Morgengrauen des 26. Juli wurde ein Kurier aufgegriffen, in dessen Krawatte der verschlüsselte Aufstandsplan für den österreichweiten Putsch eingenäht war ("Kollerschlager Dokument").
Vier Jahre später gelang den Nazis die Machtergreifung in Österreich. Am 12. März 1938 marschierten auch über den Grenzübergang Hanging deutsche Truppen ein, ebenso im Herbst 1938, als das Sudetenland dem Deutschen Reich angegliedert wurde.
Im Frühjahr 1945 ging in Österreich nach nur sieben Jahren Dauer das 1000jährige Reich zu Ende. Von Westen her rückten US-Truppen gegen unsere Heimat vor. Von Wegscheid aus wurde Kollerschlag beschossen, drei Häuser gingen dabei in Flammen auf. Am 30. April 1945 gegen Abend betraten amerikanische Soldaten beim Grenzübergang Hanging erstmals oberösterreichischen Boden. Ein Denkmal vor dem Gasthaus erinnert daran. In den Morgenstunden des 1. Mai, es war alles weiß und kalt, denn es hatte während der Nacht geschneit, wurde Kollerschlag eingenommen. Vier Menschen kamen im Laufe des Einmarsches ums Leben. Die Grenze wurde schließlich von August 1945 bis Oktober 1955 die Trennlinie zwischen zwei Machtblöcken. In Bayern lagen die Amerikaner, bei uns waren die Russen als Besatzungsmacht hier.
Die Staatsgrenze gibt es natürlich noch immer, aber es ist hier mit dem EU-Beitritt vieles anders geworden. Seit 1.1.1995 gibt es kein Zollamt mehr, und seit dem Inkrafttreten des Schengener Abkommens am 1.12.1997 auch keine Grenzkontrollstelle mehr. Die ehemaligen Amtsgebäude sind mittlerweile an Private verkauft. Damit ist Vergangenheit, was lange Zeit die Grenzgemeinde Kollerschlag geprägt hat.
Seit 1995 pflegen die bayrische Nachbargemeinde Wegscheid, die Stadtgemeinde Horni Plana (Oberplan) in Tschechien und Kollerschlag im Rahmen der Euregio eine Gemeindepartnerschaft. Jährlich wird eine gemeinsame Gemeinderatssitzung abgehalten und werden sportliche und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.